Was Töten ist
Selbst bei Massenmorden an Menschen wird das Phänomen der Routinierung beschrieben, was Tötungsprozesse, also das planvolle, gewaltsame Töten selbst anbetrifft.
Die Tabus, die das Töten umgeben, unterscheiden sich legalistisch: im Krieg wird es zur Normalität, im War on Animals ist es hingegen der eigene Kulturbegriff, der eine normalisierende Basis für die entsprechende Haltung vorgibt.
Die Furcht vor der Gleichheit im Umgang mit dem „zur Tötung“ von einem System freigegebenen Körper ist berechtigt und wird aus Gründen tabuisiert, die immer einzubeziehen bleiben. Die Politisierung dieser reflexartigen Abwehrmechanismen trägt dem Phänomen der gleichen Abstumpfung im Prozess aber keinerlei Rechnung.
Dass die Herangehensweise an die Tötung einer durch Menschen objektifizierten Gruppe von Körpern [Tierkörpern] kulturell durch Enthusiasmus begleitet wird, und dies in einem Gegensatzverhältnis gewertet wird zu „Mord von Menschen durch Menschen“, sollte Tierrechtler nicht daran hindern, das Thema der Tötung objektifizierter Tierkörper nicht nur aus Sicht der Tötenden zu betrachten.
Folgende tiersoziologische Frage würden sich dabei aus Tierrechtssicht stellen:
Wie kann ich sowohl den Perspektiven und Situationen von Tieren – in ihrer Spezifik als den anbetroffenen Opfern von bestimmten Gewaltverhältnissen und menschlicher Destruktivität und Negation – aus meiner tierrechtlerischen Sichtweise und Haltung heraus thematischen Raum verschaffen, der die Offenheit zulässt, die nötig ist, um nicht in reduktive Biologismen zu verfallen.
Der überhaupt erklärende Rekurs ist zur Vermittlung gegenüber der menschlichen Gesellschaft nötig, da die Gesellschaft sich in einer Rolle selbstgewählter Definitionshoheit befindet und auf dieser Ebene destruktives Handeln und Denken gegenüber Tieren ermöglicht.
Mit dieser Fragestellung habe ich dann aber auch damit zu tun, Tierobjektifizierung auf mehrerlei Ebenen zu begegnen [Stichwort: Verschiedene Ebenen von Tierobjektifizierung, Speziesismus und Tierhass]. Und, weiter erschwerend ist: ich muss meinerseits politisch eine Position beschreiben können, für die ich bislang mitunter kein ausreichendes, zumindest kein mir problemlos zur Hand liegendes und allgemeinläufig anerkanntes Vokabular zur Verfügung habe. Das heißt ich bewege mich in einem größeren Rahmen einer Pionierarbeit.
Betrachte ich das Thema der Tötung objektifizierter Tierkörper nur aus Sicht der Tötenden und gehe ich damit also keine Erweiterung meiner Perspektive ein (auch indem ich das ganze System der in die Tötung- und Handhabung der Körper und Körperkontexte direkt Involvierten nicht hinterfrage), wird der Umstand und Kontext des Tötens nicht als > Tiermord gewertet werden, sondern Tötung wird zum Diskussionsgegenstand abstrahiert, als eine „im Gedankenfeld umgesetzte Begleiterscheinung“ der Tötungsgeschehnisse, mehr nicht.
Die Perspektive außerhalb dieses restriktiven Denksystems ist für Tierrechtler aber die, um die es geht. Fragstellungen über > Approximationen an tierliche Realitäten sollten immer von einer nötigen höchstmöglichen Komplexität für die Versuche ihrer Beantwortungen ausgehen.
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