[Tierrechte in Archiven; independent venture > auf Bluesky]
Kriterienkataloge mögen sich unterscheiden, aber TR-Archivierung sammelt nicht einfach alles ein, was nur „irgendwie“ was mit Tierrechten zu tun hat oder haben könnte. Wir kuratieren und archivieren unabhängigen Radikal-Antispeziesismus und in dem spezifischen Sinne wegweisende Ideen.
Die Ergänzungen durch Kommentare und die Ideenentwicklung seitens der Gruppe Messel lenken zwar von einer reinen Archivierung unserer gesammelten Quellen ab, aber sie sind auch unerlässlich um Lücken zu schließen und weitere, oftmals essentielle Fragen aufzuwerfen. Wir führen momentan insofern eine Art der kommentierten Archivsammlung.
Bewusst lassen wir Quellen aus, die sich auf Ansätze eingrenzen lassen aus den Bereichen, z.B.
- reiner Tierstudien / Animal Studies;
- Theorien, die milden Speziesismus vertreten und daher keinen neuen Mehrwert für die Entwicklung von Thesen erbringen;
- Inhalte aus den kritischen Tierstudien, ohne Abgrenzung zu Biologismen;
- Materialien aus den Bereichen totaler Befreiung / Total Liberation oder Tierbefreiung, die Verbindungen pflegen zu Gruppen, Institutionen oder Autorinnen*, die juristische Ebenen als tierrechtspolitische Wege ausschließen
- …
- und jegliche vergleichbaren Quellen und Materialien, aus dem typischen Mainstream der Gruppen, die sich „offiziell“ als Tierbewegungen darzustellen pflegen.
Im Weiteren beziehen wir nur Quellen und Materialien mit Relevanz für Tierrechte und die Tierrechtsbewegung mit ein, die sich durch Kriterien kennzeichnen, die sich als > nicht tierobjektifizierend in ihrer Natur zuordnen lassen.

Das Radikal-antispeziesistische Tierrechtsarchiv
Das Radikal-antispeziesistische Tierrechtsarchiv auf tierrechtsethik.de ist ein eigenständiges, unabhängiges Archivierungsprojekt der Edition Farangis / Gruppe Messel.
Es grenzt sich bewusst vom Mainstream der bekannten Tierbewegungen ab und folgt einer sehr spezifischen theoretischen Ausrichtung.
Kernmerkmale und Ausrichtung
- Kuration statt Massensammlung: Das Projekt sammelt nicht wahllos alle Dokumente zum Thema Tier, sondern wählt gezielt wegweisende Ideen und Schriften des unabhängigen Radikal-Antispeziesismus aus.
- Theoretischer Fokus: Der Schwerpunkt liegt auf Tierrechtsethik und einer antibiologistischen Tiersoziologie, die Subjektsein und Freiheitsfähigkeit von Tieren in den Vordergrund stellt und Tiere als eigenständige soziale und politische Subjekte begreift.
- Kommentierte Sammlung: Die Archivierung wird durch kontinuierliche Kommentare, Einordnungen und eigene Ideenentwicklungen der Gruppe Messel begleitet, um historische und gegenwärtige Lücken in den Debatten sichtbar zu machen und weiterführende theoretische Perspektiven zu entwickeln.
- Kriterium der Nicht-Objektivierung: Einen wesentlichen Prüfstein bildet die Frage, ob Tiere innerhalb der jeweiligen Position weiterhin als Objekte, Ressourcen oder bloße Gegenstände menschlicher Interessen konzeptualisiert werden. Das Archiv richtet seine Auswahl daher ausdrücklich gegen tierobjektifizierende und biologisierende Denkweisen.
- Kuratierte Autor*innenauswahl: Die kuratorische Arbeit umfasst auch die gezielte Auswahl und Hervorhebung von Autor*innen, deren Schriften für bestimmte Entwicklungen des antispeziesistischen Denkens, der Tierrechtsethik, des Veganismus und einer nicht-biologistischen Betrachtung tierlicher Subjektivität von Bedeutung sind. Dabei geht es nicht um die Bildung eines verbindlichen Kanons oder um eine pauschale Übernahme sämtlicher Positionen einzelner Autor*innen, sondern um die dauerhafte Sicherung und Zugänglichmachung thesenstarker, historisch oder theoretisch relevanter Stimmen.
Bewusste Ausschlusskriterien
Das Archiv grenzt sich scharf von anderen Strömungen ab und schließt Quellen aus folgenden Bereichen bewusst aus:
- Milder Speziesismus: Theorien, die Tieren keinen grundlegenden neuen rechtlichen oder ethisch-moralischen Status zugestehen.
- Reine Animal Studies: Allgemeine oder kritische Tierstudien, sofern sie sich nicht hinreichend von biologistischen Reduktionen und entsprechenden Objektivierungszusammenhängen abgrenzen.
- Total Liberation / bestimmte Formen der Tierbefreiung: Strömungen und Gruppen, die rechtliche und rechtspolitische Ebenen grundsätzlich als mit der Befreiung der Tiere unvereinbar oder „nicht nötig“ betrachten.
Die Archivstrategie: Kuration und dauerhafte Sicherung
Das Radikal-antispeziesistische Tierrechtsarchiv versteht sich dabei nicht primär als Versuch, neben den bestehenden staatlichen und wissenschaftlichen Bibliotheksstrukturen ein eigenes, möglichst umfangreiches Zentralarchiv aufzubauen. Seine besondere Funktion liegt vielmehr in der vorgelagerten inhaltlichen Kuration.
Die Edition Farangis und die Gruppe Messel wählen und publizieren Schriften und entwickeln inhaltliche Kontexte, die sie für eine radikal-antispeziesistische Theorie- und Ideengeschichte als relevant erachten. Aus dieser kuratorischen Arbeit entstehen unter anderem Essays, Übersetzungen, Schriftenreihen, Kommentare und eigenständige theoretische Arbeiten.
Ein entscheidender Teil dieser Strategie besteht darin, die aus der eigenen Kuration hervorgehenden Publikationen in das institutionelle Gedächtnis der bibliografischen Überlieferung einzuschreiben. Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) stellt hierfür eine zentrale Infrastruktur dar: Durch die bibliografische Erfassung veröffentlichter Schriften können diese auch über ihren ursprünglichen Entstehungskontext und über die Lebensdauer einzelner Websites und Projekte hinaus recherchierbar und nachweisbar bleiben.
Damit entsteht eine besondere Form des Archivierens:
Das eigene Archiv kuratiert, die eigene Edition publiziert – und die institutionelle Bibliotheksinfrastruktur bewahrt.
Die Bedeutung des Projekts liegt somit nicht allein darin, Materialien auf einer unabhängigen Website verfügbar zu halten. Vielmehr geht es darum, aus einer unabhängigen und spezifisch radikal-antispeziesistischen Perspektive heraus ausgewählte Inhalte zu publizieren und dadurch in dauerhaftere Formen kultureller und bibliografischer Überlieferung zu überführen.
Gerade für eine theoretische Strömung, deren Begriffe und Positionen nicht selbstverständlich Teil etablierter akademischer oder bewegungspolitischer Kanonisierungen sind, ist die Frage der langfristigen Überlieferung von besonderer Bedeutung. Die Archivstrategie zielt deshalb darauf, eigenständig entwickelte Theorien, Begriffe, Übersetzungen, historische Arbeiten und Gegenpositionen nicht allein im gegenwärtigen digitalen Kontext verfügbar zu halten, sondern sie als publizierte und bibliografisch dokumentierte Beiträge einer eigenständigen Ideengeschichte zu bewahren.
Die Deutsche Nationalbibliothek bildet dabei den institutionellen Rahmen der bibliografischen Überlieferung, nicht den Ort der inhaltlichen Kuratierung. Die theoretische Auswahl, die Gewichtung von Positionen, die Kommentierung und die Entwicklung eigener Perspektiven erfolgen innerhalb der Arbeit der Edition Farangis / Gruppe Messel. Die DNB ermöglicht die dauerhafte Auffindbarkeit dieser Veröffentlichungen, während die Verantwortung für ihre inhaltliche Ausrichtung und konzeptionelle Einordnung beim Archivprojekt selbst verbleibt.
Gruppe Messel / Edition Farangis → Auswahl, Theorie, Kontextualisierung
DNB → Bewahrung, Nachweis, Auffindbarkeit
So verbindet das Projekt drei unterschiedliche Ebenen:
Kuration → Publikation → dauerhafte bibliografische Überlieferung
Das Radikal-antispeziesistische Tierrechtsarchiv ist damit weniger als bloße Sammlung zu verstehen, sondern als kuratierende und publizierende Instanz innerhalb einer längerfristigen Ideengeschichte des Antispeziesismus.
Sein Anspruch besteht darin, bestimmte theoretische Ansätze nicht nur gegenwärtig zugänglich zu machen, sondern sie so zu dokumentieren, dass sie auch außerhalb der jeweiligen zeitgenössischen Bewegungszusammenhänge auffindbar, recherchierbar und zitierfähig bleiben.
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