Antispe Ability. Rezeptionskompetenz zusammen faktorisieren und Sprachdivergenz.
Assistenz und so
im Kontext mit Unterstützer Kommunikation (UK) bzw. Augmentierter Alternativer Kommunikation (AAK), Sprachdivergenz und unterschiedlichen Ableismusformen
- Das eigentliche Problem
Es gibt derzeit keine stabile, breit sichtbare Struktur, die:
- Assistenznehmer und Assistenzgeber gemeinsam ‚bürgerschaftlich aktivistisch‘ organisiert
- und dabei konsequent aus der Perspektive der Behindertenrechtsbewegung arbeitet
→ Stattdessen existieren getrennte Sphären, die sich bilden aus:
- Selbstvertretung (Peer-Counseling, Aktivismus)
- Träger / Dienste (oft aber nicht immer paternalistisch strukturiert)
- Assistenzkräfte (oft wenig konzeptionell informiert in Sachen > Anti-Ableismus-Aktivismus. Die Neugliederung als kompensatorische und qualifizierte Leistungen ändern hieran nicht zwangsläufig etwas)
Unser Kernpunkt:
Assistenz ist politisch unterdefiniert – besonders dort, wo Kommunikation nicht normsprachlich funktioniert (UK/AAK).
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- Die spezifische Schieflage (UK/AAK + Diagnose)
Wir sehen uns mit einem strukturellen Gefälle konfrontiert:
Ungleichheit der Kommunikationsformen
- Gebärdensprache → grundsätzlich sprachlich und kulturübergreifend anerkannt [Selbstverständnis für Kommunikationsassistenz besteht in dem Kontext, vor allem wegen klarer linguistischer Einbettung]
- Unterstützte Kommunikation [Multimodalität in Ansätzen unterstützter und alternativer Kommunikation, Augmented Alternative Communication] → außerhalb fester Sprachordnungen werden Bereiche alternativer Kommunikation, aber auch Frage-/Antwort-Techniken wie Partnerscanning als UK-Technik zur Überwindung von Sprachbarrieren immernoch oftmals als „defizitbehaftet“ gelesen [keine oder zu wenig umfassende linguistische Anerkennung wenn systemhafte Rahmen sich als zu eng erweisen]
- Auf Unklarheiten in der kommunikativen Praxis wird mit einem überfunktionalisierten Ansatz reagiert bei den Themen rund um „Sprache und Barriere“ [Eigenausdruck, Rezeptionskompetenz werden dabei regelmäßig übersehen]
→ Was das für Assistenzdyaden bedeutet:
- Kommunikation als Barrierethema sowie im Bereich von Ableismuserfahrungen [in Diagnosen, Bildung und Gesellschaft allgemein] werden in der breiten Auseinandersetzung mit Assistenznahme und -gabe nicht hinreichend als Selbstbestimmungsschwerpunkt adressiert
- Sprachassistenz wird nicht als nötige wechselseitige „Kommunikationsarbeit“ in den Assistenzdyade anerkannt, während ein sozialer Druck sich infolge eines praktischen Mangels an emanzipativen Sprach- und Kommunikationsansätzen aufbauen kann
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Die Diagnose und das Problem der Folge von Definitions- und Urteilsketten
Unser Beispiel: Besteht die Gefahr durch eine Diagnose von Sprachableismus oder/und Kognitivableismus betroffen zu sein?
- Diagnose → erzeugt automatisch:
- Rahmenwerk pädagogisches Verhalten, das sich auf Einschätzung über Fähigkeiten berufen muss
- Fürsorgelogik und Unsicherheit
- Ungewollte Machtverhältnisse (die als bevormunden und verhindernd, sowie fördernd erlebt werden können)
→ Zahlreiche Unklarheiten in der Rolle und Aufgabe von:
- Assistenz = zur Unterstützung in der Umsetzung von Willen
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Die Assistenzpraxis zur Umsetzung der Interessen der Assistenznehmenden und Unterstützte Alternative Kommunikation:
Das strukturelle Paradox
Die stärkere Form der Selbstbestimmtheit über das Arbeitgebermodell (Persönliches Budget) verlangt:
- Steuerung
- Auswahl
- Anleitung
Aber:
- genau diese Steuerungsfähigkeit wird Menschen mit UK oftmals abgesprochen oder ist schwer realisierbar, wenn Barriere im Bereich Kommunikation nicht problemlos kompensiert werden kann.
→ Ergebnis:
Diejenigen, die Assistenz am dringendsten politisch definieren müssten, haben am wenigsten Zugriff für eine selbstbestimmte Inanspruchnahme eines Instruments dafür.
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- Was faktisch existiert (aber nicht ausreicht)
Es gibt Ansätze, aber sie greifen dieses Problem nur teilweise:
Selbstvertretung & politische Grundlagen in gemeinläufigen Übereinkünften
→ stark in Rechten, aber:
→ Ableismus im Zusammenhang mit > Sprach-, Rezeptions- und Kommunikationskompetenz findet bislang wenig Eintritt in die Debatte; Kognitivableismus ist bislang kein Thema das ausreichend differenziert behandelt würde
→ wenig Fokus auf Assistenz als eine bürgerschaftlich aktivistische Möglichkeit als Praxis zur Realisierung von Interessenvertretung
Assistenzstrukturen
- Assistenzgenossenschaften
→ besser als Träger, aber:
→ organisatorisch vorteilhalft, Rahmenwerk für Aktivismus besteht nicht (da keine staatlichen Vorgaben und Leitlinien, keine Funanzierungsmöglichkeit an der Stelle)
UK/AAK-spezifische Ansätze
- Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation
→ wichtig für Methoden
→ aber nicht klar politisch im Sinne von:
„Assistenz als Machtverhältnis“
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- Folgendes ist uns wichtig hervorzuheben
Assistenz muss sich letztendlich selbst politisch definieren – nicht nur der Assistenznehmer.
Das verschiebt alles:
Nicht mehr nur:
- „Selbstbestimmung der Nutzer“
sondern:
- Verantwortung der Assistenzgabe zur Transparentmachung der eigenen Rolle und suche nach Optimierung der eigenen Aufgabe; Kritik an der Gefahr wenig sichtbarer aber auch eklatant sichtbarer Machtverhältnisse im Zusammenhang mit > Barriere und Kommunikation.
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- Die Leerstelle, die wir sehen:
Was fehlt, ist:
Eine dialogische Assistenzbewegung
Merkmale:
- gemeinsame Plattform von:
- Assistenznehmern
- Assistenzgebern
- Fokus:
- Reflexion von „Macht und Gesellschaft“
- Kommunikation (UK/AAK, internationale Theorie, Praxis, neue Ansätze, individueller und gemeinschaftlicher Aktivismus)
- Anti-Diagnose-Haltung (Priorisierung des sozialen statt der medizinischen Modells von beHinderung)
- praktische Zusammenarbeit
- Ziel:
Assistenz als „Ermöglichungs-Handwerk“ politisch definieren und versuchen gemeinsam zu optimieren
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- Schussfolgend:
Persönliche Assistenz scheitert dort systematisch, wo Kommunikation nicht normiert ist.
Während die Gebärdensprache als legitime Sprache anerkannt ist, wird Unterstützte Kommunikation oder Augmentierte Alternative Kommunikation weiterhin aufgrund
a.) eigener linguistischer Gegebenheiten und Fragen und
b.) der großen Spannweite an kommunikativen Spektren
als Thema von Barriere und Sprachpraxis unterschätzt.
In diesem Kontext wirkt die Diagnose > gerade auch typischerweise die, bei der eine Sprechbehinderung zur Annahme einer vorliegenden das „Kognitive“ beeinträchtigende beHinderung führt, nicht nur beschreibend, sondern strukturierend. In solchen Zusammenhängen kann auch ein „allgemeines vages“ Verständnis über Assistenzgabe von einer begleitenden Rolle in eine Defizite unterstellende Rolle abgleiten. Genau solche Gefahren müssen beachtet und analysiert, thematisiert werden.
Das Arbeitgebermodell verspricht Selbstbestimmung, setzt aber genau jene Steuerungsfähigkeit voraus, die Menschen mit komplexer Kommunikation abgesprochen wird. Daraus ergibt sich eine strukturelle Leerstelle:
Es fehlt eine gemeinsame politische Praxis von Assistenznehmern und Assistenzgebern, die Assistenz als dialogisches, machtreflektiertes Verhältnis versteht – und nicht als Pflege, als zu unkritische Pädagogik oder bloße schon gar nicht also bloße Dienstleistung. An dieser Stelle muss die Konstellation unter differenzierten Vorzeichen bedacht werden.
Der Beitrag versteht sich im Sinne einer > eher dialogischen Assistenzbewegung, die für unsere Themenschwerpunkte besonders relevant ist.
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