Antispe Ability vor dem Hintergrund neurodiverser beHinderungen

Arts by Pegi, multicolored abstractions

Antispe Ability vor dem Hintergrund neurodiverser beHinderungen, Neurodiversität allgemein und Aktivismus

Unsere Herangehensweise an Neurodiversität als antispeziesistische Neurodiversität mit einbeschließend.

Da in Antispe Ability bereits Mehrdimensionalität, Sprache, Ableismus und Antispeziesismus eine Rolle spielen, findet Neurodiversität [1] – ein Begriff, den wir als ein noch offenes Konzept von neuer, erweiterter Diversity-Praxis verstehen – folgendermaßen seinen Raum bei uns:

Neurodiversität ist hier ein weitergedachter Diversity-Begriff, der nicht nur klassische soziale Diversitätsachsen wie Geschlecht, Ethnie oder sexuelle Orientierung umfasst, sondern zusätzlich:

  • Tiersoziologische Perspektiven und Realitäten
  • Eine weitere Kontextualisierung von Identität, Behinderung und Neurodivergenz
  • Kommunikations- und Zugangsdimensionen
  • Multiperspektivisch analysierte Machtverhältnisse zwischen Menschen und der Mitwelt

In Antispe Ability geht es ja bereits um das Zusammenwirken von Diskriminierungsformen (z. B. Ableismus im Tier- und Aktivismuskontext) – also genau dort, wo ein Neurodiversitäts-Ansatz auch ansetzen muss, wenn dieser mitweltbezogen und selbstreflexiv denkt.

Neurodiversität in Antispe Ability als antispeziesistische Neurodiversität

Während traditionelle Diversity-Ansätze soziale Unterschiede wie Geschlecht, Ethnizität oder sexuelle Orientierung anerkennen, schlägt Neurodiversität als Funktion in unserem Kontext eine Erweiterung dieses Verständnisses vor.

Sie umfasst für uns beHinderung, nichtmenschliche Lebewesen, Sprach- und Kommunikationsrechte sowie die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung.

In Antispe Ability wird diese Vision von Diversität dadurch greifbar, dass Ableismus im Tierrechts- und Aktivismuskontext nicht als isoliertes Phänomen, sondern als multifunktionales Netzwerk von Ausschlüssen und Zugangsbarrieren untersucht wird.

Dadurch entsteht ein Verständnis von Vielfalt, das nicht nur menschliche Unterschiede anerkennt, sondern auch die Rolle anderer Lebensweisen und „Lebensformen“ und die Art und Weise, wie soziale Strukturen sie marginalisieren.

Warum das relevant ist

Klassische Diversity-Debatten konzentrieren sich oft nur auf menschliche Identitätsachsen wie Geschlecht, Rasse, Befähigtheit/Ability. Wir erweitern diese Perspektive, indem Tierrechte, Aktivismus für Tierrechte und Ableismus zusammen faktorisiert werden.

Neurodiversität ist so in unserem Kontext Teil von erkannten Zusammenhängen, die Mensch-Nichtmensch, Behinderung, Sprache und Zugang gleichberechtigt mitdenken — als eine wirklich radikal oder konsequent multiperspektivische Diversität.

Antispeziesistische Neurodiversität als multiperspektivischer Ansatz im antispeziesistischen und ableismuskritischen Diskurs

Der Begriff einer antispeziesistischen Neurodiversität bezeichnet eine tiersoziologisch sich begründende konzeptionelle Erweiterung klassischer Diversity-Ansätze, die über primär hegemonial-anthropozentrische Differenzkategorien hinausgeht.

Während etablierte Diversitätsdiskurse sich überwiegend in exkludierender Weise auf menschliche soziale Marker wie Geschlecht, Ethnizität, sexuelle Orientierung oder Religion konzentrieren, zielt unser Begriff von einer antispeziesistischen Herangehensweise an Neurodiversität auf eine > mehrdimensionale Analyse von Macht-, Ausschluss- und Normierungsprozessen, die sowohl menschliche als auch nichtmenschliche Akteur*innen einbeschließt.

Im Kontext von antispeziesistischer Befähigung oder Befähigtheit  [die Idee hinter „Antispe Ability“] gewinnt Neurodiversität nochmal eine besondere Relevanz, da hier Ableismus nicht isoliert, sondern in seiner Verflechtung mit Speziesismus und Tierobjektifizierung, Kommunikationsnormen in sozialen Räumen und befähigenden- oder verhindernden aktivistischen Strukturen untersucht wird.

Behinderung erscheint dabei nicht als individuelles Defizit, sondern als sozial produzierter Ausschlussmechanismus, der durch normierende Vorstellungen von Leistungsfähigkeit, (kaum differenzierten) Kognitionsbegriffen und Autonomie stabilisiert wird – Vorstellungen, die zugleich zentrale Legitimationsmuster speziesistischer Gewalt darstellen.

Unsre Herangehensweise an Neurodiversität unter diesen Gesichtspunkten ermöglicht es uns, diese Verschränkungen analytisch sichtbar zu machen. Sie versteht Diversität nicht als bloße Anerkennung von Differenz, sondern als kritische Praxis der Infragestellung normativer Subjektentwürfe, die bestimmen, wessen Stimmen gehört, wessen Körper als handlungsfähig anerkannt und wessen Leben als schützenswert betrachtet werden und die teils in Frage zu stellenden Modalitäten dessen.

Damit eröffnet unser Ansatz einen Raum, in dem antispeziesistische Ethik, Disability Studies und ableismuskritische Aktivismusforschung nicht additiv, sondern relational zueinander gedacht werden können.

Als theoretischer Rahmen trägt Neurodiversität dazu bei, Tierrechtsdiskurse von implizit ableistischen und hegemonial-anthropozentrischen Voraussetzungen zu befreien und zugleich Diversity-Konzepte für die systematische ethische Einbeziehung nichtmenschlicher Lebewesen und Lebensformen sowie neurodivergenter und behinderter Perspektiven zu öffnen, als gemeinsam Gedachtes, in Fragen von wechselseitiger sozialer, politischer, persönlicher, lebendiger und ideeller Bezugnahme.

In diesem Sinne versteht sich eine antispeziesistische Neurodiversität weniger als Identitätskategorie denn als epistemologische Intervention, die auf eine radikale Neuausrichtung von Gerechtigkeits- und Solidaritätskonzepten abzielt.

[1] Neurodiversität > bezeichnet ein Konzept aus den Disability / Neurodiversity Studies, das neurologische Unterschiede (z. B. Autismus, ADHS, Dyslexie, Tourette u. a.) als natürliche Varianten menschlicher Neurobiologie versteht und nicht primär als Defizite oder Störungen. Es existieren unterschiedliche Verständnisse über den Begriff.

Links zur grundlegenden Info, für den Einstieg in das Thema und die Diskussion rund um den Begriff der > Neurodiversität:

Judy Singer > Reflections in Neurodiversity > https://neurodiversity2.blogspot.com/p/what.html [19.01.25]

John Cromby und Lucy Johnstone > Neurodiversity–What Exactly Does It Mean? > https://www.madinamerica.com/2024/07/part-1-neurodiversity/ [19.01.25]

 

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