{"id":426,"date":"2026-03-26T15:46:50","date_gmt":"2026-03-26T14:46:50","guid":{"rendered":"https:\/\/tierrechtsethik.de\/freiraum\/?p=426"},"modified":"2026-04-04T00:28:41","modified_gmt":"2026-04-03T22:28:41","slug":"aktivismus-fuer-sprachdiversitaet-entwurf-uk-aak-und-assistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tierrechtsethik.de\/freiraum\/aktivismus-fuer-sprachdiversitaet-entwurf-uk-aak-und-assistenz\/","title":{"rendered":"Aktivismus f\u00fcr Sprachdiversit\u00e4t. Entwurf UK\/AAK und Assistenz"},"content":{"rendered":"<p>Antispe Ability. Rezeptionskompetenz zusammen faktorisieren und Sprachdivergenz. \u00dcberarbeitete Fassung vom 03.04.26.<\/p>\n<p><strong>Assistenz und so<\/strong><\/p>\n<p><strong>im Kontext mit Unterst\u00fctzer Kommunikation (UK) bzw. Augmentierter Alternativer Kommunikation (AAK), Sprachdivergenz und unterschiedlichen Ableismusformen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kommunikation_assistenz_und_ableismus_2b_pdfA.pdf\">Der Text als PDF<\/a><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Das eigentliche Problem<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Es gibt derzeit keine stabile, breit sichtbare Struktur, die:<\/p>\n<ul>\n<li>Assistenznehmer und Assistenzgeber gemeinsam \u201ab\u00fcrgerschaftlich aktivistisch\u2018 organisiert<\/li>\n<li>und dabei konsequent aus der Perspektive der Behindertenrechtsbewegung arbeitet<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>\u2192 Stattdessen existieren getrennte Sph\u00e4ren, die sich bilden aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstvertretung (Peer-Counseling, Aktivismus)<\/li>\n<li>Tr\u00e4ger \/ Dienste (oft, aber nicht immer paternalistisch strukturiert)<\/li>\n<li>Assistenzkr\u00e4fte (h\u00e4ufig wenig konzeptionell informiert in Sachen Anti-Ableismus-Aktivismus. Die Neugliederung als kompensatorische und qualifizierte Leistungen \u00e4ndert nichts an den \u201elosen Enden\u201c im Support durch Assistenz)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Unser Kernpunkt:<\/p>\n<p>Assistenz ist politisch unterdefiniert \u2013 besonders dort, wo Kommunikation nicht normsprachlich funktioniert (UK\/AAK).<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Die spezifische Schieflage wenn UK\/AAK + Diagnose zusammentreffen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir sehen uns mit einem strukturellen Gef\u00e4lle konfrontiert:<\/p>\n<p>Ungleichheit der Kommunikationsformen<\/p>\n<ul>\n<li>Geb\u00e4rdensprache \u2192 grunds\u00e4tzlich sprachlich und kultur\u00fcbergreifend anerkannt [Selbstverst\u00e4ndnis f\u00fcr Kommunikationsassistenz besteht in dem Kontext, vor allem wegen klarer linguistischer Einbettung]<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzte Kommunikation [Multimodalit\u00e4t in Ans\u00e4tzen unterst\u00fctzter und augmentierter alternativer Kommunikation, <em>Augmented Alternative Communication<\/em>] \u2192 Kommunikationskompetenzen \u2192 \u00a0au\u00dferhalb fester Sprachordnungen werden Bereiche alternativer Kommunikation (aber auch grunds\u00e4tzlich anerkannte Frage-\/Antwort-Techniken wie Partnerscanning als UK-Technik zur \u00dcberwindung von Sprachbarrieren) immernoch oftmals als \u201edefizitbehaftet\u201c gelesen [d.h. es existiert keine oder zu wenig umfassende linguistische Anerkennung wenn systemhafte Rahmen sich als zu eng erweisen]<\/li>\n<li>Auf Unklarheiten in der kommunikativen Praxis wird mit einem \u00fcberfunktionalisierten Ansatz reagiert bei den Themen rund um \u201eSprache und Barriere\u201c [Eigenausdruck, Rezeptionskompetenz werden dabei tendenziell eher \u00fcbersehen]<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2192 Was das f\u00fcr assistenzdyadische Interaktionsformen bedeuten kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Kommunikation als Barrierethema sowie im Bereich von Ableismuserfahrungen [z.B. in Diagnosen, Bildung und Gesellschaft allgemein] werden in der breiten Auseinandersetzung mit Assistenznahme und -gabe nicht hinreichend als Selbstbestimmungsschwerpunkt adressiert<\/li>\n<li>Sprachassistenz wird nicht als n\u00f6tige wechselseitige \u201eKommunikationsarbeit\u201c in Assistenzdyaden anerkannt, w\u00e4hrend ein sich sozialer Druck infolge eines gegebenen praktischen Mangels an emanzipativen Sprach- und Kommunikationsans\u00e4tzen aufbauen kann<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Die Diagnose und das Problem der Folge von Definitions- und Urteilsketten<\/strong><\/p>\n<p>Unser Beispiel: Besteht die Gefahr durch eine Diagnose von Sprachableismus oder\/und Kognitivableismus betroffen zu sein?<\/p>\n<ul>\n<li>Diagnose \u2192 erzeugt automatisch:\n<ul>\n<li>Rahmenwerk p\u00e4dagogisches Verhalten, das sich auf Einsch\u00e4tzung \u00fcber F\u00e4higkeiten berufen muss<\/li>\n<li>F\u00fcrsorgelogik und Unsicherheit<\/li>\n<li>Ungewollte Machtverh\u00e4ltnisse (die als bevormunden und verhindernd, sowie f\u00f6rdernd erlebt werden k\u00f6nnen)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2192 Zahlreiche Unklarheiten in der Rolle und Aufgabe von:<\/p>\n<ul>\n<li>Assistenz = zur Unterst\u00fctzung in der Umsetzung von Willen [\u2026]<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Die Assistenzpraxis zur Umsetzung der Interessen der Assistenznehmenden und \u201aUnterst\u00fctzte \/ Augmentierte Alternative Kommunikation\u2018:<\/strong><\/p>\n<p>Das strukturelle Paradox<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkere Form der Selbstbestimmtheit \u00fcber das Arbeitgebermodell (Pers\u00f6nliches Budget) verlangt:<\/p>\n<ul>\n<li>Steuerung<\/li>\n<li>Auswahl<\/li>\n<li>Anleitung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber:<\/p>\n<ul>\n<li>genau diese Steuerungsf\u00e4higkeit wird Menschen mit UK oftmals abgesprochen oder ist schwer realisierbar, wenn Barriere im Bereich Kommunikation nicht problemlos kompensiert werden kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2192 Ergebnis:<\/p>\n<p>Diejenigen, die Assistenz am dringendsten politisch definieren m\u00fcssten, haben am wenigsten Zugriff f\u00fcr eine selbstbestimmte Inanspruchnahme eines Instruments daf\u00fcr.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Was faktisch existiert (aber nicht ausreicht)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Es gibt Ans\u00e4tze, aber sie greifen dieses Problem nur teilweise:<\/p>\n<p>Selbstvertretung &amp; politische Grundlagen in gemeinl\u00e4ufigen \u00dcbereink\u00fcnften<\/p>\n<p>\u2192 stark in Rechten, aber:<\/p>\n<p>\u2192 Ableismus im Zusammenhang mit &gt; Sprach-, Rezeptions- und Kommunikationskompetenz findet bislang wenig Eintritt in die Debatte; Kognitivableismus ist bislang kein Thema das ausreichend differenziert behandelt w\u00fcrde [betrifft Fragen schwerwiegender Fehleinsch\u00e4tzung, sowie Fragen m\u00f6glicher Ans\u00e4tze an &gt; Sprachdiversit\u00e4t zum einen und Neurodiversit\u00e4t bei schweren Behinderungen zum andern]<\/p>\n<p>\u2192 wenig Fokus auf Assistenzdyaden als eine b\u00fcrgerschaftlich aktivistische M\u00f6glichkeit als Praxis zur Realisierung von Interessenvertretung<\/p>\n<p>Assistenzstrukturen<\/p>\n<ul>\n<li>Assistenzgenossenschaften<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2192 besser als Tr\u00e4ger, aber:<br \/>\n\u2192 organisatorisch vorteilhalft, Rahmenwerk f\u00fcr Aktivismus besteht nicht (da keine staatlichen Vorgaben und Leitlinien, keine Finanzierungsm\u00f6glichkeit an der Stelle)<\/p>\n<p>UK\/AAK-spezifische Ans\u00e4tze<\/p>\n<ul>\n<li>Gesellschaft f\u00fcr Unterst\u00fctzte Kommunikation<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2192 wichtig f\u00fcr Methoden<br \/>\n\u2192 aber nicht klar politisch im Sinne von:<br \/>\n\u201eAssistenz als Machtverh\u00e4ltnis\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Folgendes ist uns wichtig hervorzuheben<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Assistenz an und f\u00fcr sich muss sich letztendlich selbst politisch definieren \u2013 nicht nur der Assistenznehmer.<\/p>\n<p>Das verschiebt alles:<\/p>\n<p>Nicht mehr nur:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eSelbstbestimmung der Nutzer oder Inanspruchnehmenden\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>sondern:<\/p>\n<ul>\n<li>Verantwortung der Assistenzgabe zur Transparentmachung der eigenen Rolle und suche nach Optimierung der eigenen Aufgabe; ein Augenmerk auf die weniger sichtbaren Gefahren von, sowie Kritik an den eklatant sichtbaren Machtverh\u00e4ltnissen im Zusammenhang mit &gt; Barriere und Kommunikation.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Die Leerstelle, die wir sehen:<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Was fehlt, ist:<\/p>\n<p>Eine dialogische Assistenzbewegung<\/p>\n<p>M\u00f6glichkeiten w\u00e4ren:<\/p>\n<ul>\n<li>gemeinsame Plattformen von:\n<ul>\n<li>Assistenznehmern<\/li>\n<li>Assistenzgebern<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>M\u00f6glicher Fokus:\n<ul>\n<li>Reflexion von \u201eMacht und Gesellschaft\u201c<\/li>\n<li>Kommunikation (UK\/AAK, internationale Theorie, Praxis, neue Ans\u00e4tze, individueller und gemeinschaftlicher Aktivismus)<\/li>\n<li>Anti-Diagnose-Haltung, d.h. Priorisierung des sozialen statt des medizinischen Modells von beHinderung<\/li>\n<li>praktische Zusammenarbeit<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>M\u00f6gliches Ziel:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Assistenz als \u201eErm\u00f6glichungs-Handwerk\u201c politisch definieren und versuchen gemeinsam zu verbessern<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Schussfolgend:<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Pers\u00f6nliche Assistenz scheitert aktuell dort systematisch, wo Kommunikation nicht normiert ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Geb\u00e4rdensprache als legitime Sprache anerkannt ist, wird Unterst\u00fctzte Kommunikation oder Augmentierte Alternative Kommunikation weiterhin aufgrund<\/p>\n<p>a.) eigener linguistischer Gegebenheiten und Fragen<\/p>\n<p>und<\/p>\n<p>b.) der gro\u00dfen Spannweite an kommunikativen Spektren<\/p>\n<p>als Thema von Barriere und Sprachpraxis untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>In diesem Kontext wirkt die Diagnose \u2013 gerade auch typischerweise die, bei der eine Sprechbehinderung zur einer unberechtigten Annahme einer vorliegenden \u201edas Kognitive beeintr\u00e4chtigende\u201c beHinderung f\u00fchrt \u2013 nicht nur beschreibend, sondern ableistisch strukturierend.<\/p>\n<p>In solchen Zusammenh\u00e4ngen kann auch ein allgemeines, vages Verst\u00e4ndnis \u00fcber Assistenzgabe von einer begleitenden Rolle in eine Defizite unterstellende Rolle abgleiten. Genau solche Gefahren m\u00fcssen beachtet, analysiert und gemeinsam thematisiert werden.<\/p>\n<p>Das Arbeitgebermodell verspricht Selbstbestimmung, setzt aber genau jene Steuerungsf\u00e4higkeit voraus, die Menschen mit komplexer Kommunikation abgesprochen wird. Daraus ergibt sich eine strukturelle Leerstelle: Es fehlt eine gemeinsame politische Praxis von Assistenznehmern und Assistenzgebern, die Assistenz als dialogisches, machtreflektiertes Verh\u00e4ltnis versteht (und nicht als Pflege, als zu unkritische P\u00e4dagogik oder schon gar nicht also blo\u00dfe Dienstleistung). An dieser Stelle muss die Konstellation unter differenzierten Vorzeichen bedacht werden.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag versteht sich im Sinne einer dialogischeren Assistenzbewegung, die f\u00fcr unsere Themenschwerpunkte bei Antispe Ability von besonderer Relevanz ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antispe Ability. 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