{"id":340,"date":"2025-09-29T15:56:26","date_gmt":"2025-09-29T13:56:26","guid":{"rendered":"https:\/\/tierrechtsethik.de\/freiraum\/?p=340"},"modified":"2025-09-29T16:40:56","modified_gmt":"2025-09-29T14:40:56","slug":"pflege-und-persoenliche-assistenz-der-unterschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tierrechtsethik.de\/freiraum\/pflege-und-persoenliche-assistenz-der-unterschied\/","title":{"rendered":"Pflege und Pers\u00f6nliche Assistenz \u2013 der Unterschied"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pflege und Pers\u00f6nliche Assistenz \u2013 der Unterschied<\/strong><\/p>\n<p>Ableismus gemeinsam erkennen und bek\u00e4mpfen<\/p>\n<p>Assistenz und Pflege sind nie neutral: Sie stehen mitten in gesellschaftlichen Macht- und Diskriminierungsverh\u00e4ltnissen. Ein zentrales Problem ist Ableismus \u2013 also die Erwartung, dass Menschen mit Behinderung sich an eine vermeintliche Norm anpassen sollen.<\/p>\n<p>Ableismus zeigt sich zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>wenn jemandem abgesprochen wird, selbst zu wissen, was er oder sie will,<\/li>\n<li>wenn standardisierte Abl\u00e4ufe wichtiger genommen werden als individuelle Bed\u00fcrfnisse,<\/li>\n<li>wenn Assistenznehmende als \u201eObjekte von Hilfe\u201c gesehen werden,<\/li>\n<li>oder wenn Assistenzgebende auf eine blo\u00dfe \u201eFunktion\u201c reduziert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Darum reicht es nicht, nur zwischen Pflege und Assistenz zu unterscheiden. Es braucht ein Bewusstsein, dass beide Bereiche aktiv Ableismus reproduzieren k\u00f6nnen, wenn wir ihn nicht gemeinsam konfrontieren. Angeh\u00f6rige, Mitarbeitende und Assistenznehmende m\u00fcssen sich hier solidarisch zusammentun: zuh\u00f6ren, kritisch reflektieren, mitdenken und aktiv Barrieren abbauen.<\/p>\n<p>Historischer Hintergrund<\/p>\n<p>Die Idee der Pers\u00f6nlichen Assistenz ist eng mit der Behindertenrechtsbewegung verbunden. In den 1970er Jahren trafen sich in den USA junge behinderte Menschen in den Crip Camps. Dort entstand das Bewusstsein: Das Problem ist nicht die Behinderung selbst, sondern die gesellschaftlichen Barrieren. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich die Forderung nach Selbstbestimmung und gegen institutionalisierte Kontrolle \u2013 ein Kernprinzip, das bis heute tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Pflege<\/p>\n<ul>\n<li>Schwerpunkt: Grundversorgung \u2013 K\u00f6rperpflege, Essen, Medikamente, Mobilit\u00e4t.<\/li>\n<li>Strukturen: Dienstpl\u00e4ne, Standards, Abl\u00e4ufe.<\/li>\n<li>Oft entscheidet das System mit, <em>wie und wann<\/em> Unterst\u00fctzung stattfindet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Pers\u00f6nliche Assistenz<\/p>\n<ul>\n<li>Schwerpunkt: Selbstbestimmung \u2013 die unterst\u00fctzte Person sagt, <em>wer, wann und wie<\/em> hilft.<\/li>\n<li>Umfasst nicht nur \u2013 und nicht zwingend \u2013 Pflege, sondern alle Aspekte des Alltagslebens.<\/li>\n<li>Ziel: nicht nur Sicherheit, sondern Teilhabe am Leben \u2013 und zwar nicht als Anpassung, sondern als Realisierung eigener Mitgestaltung von Gesellschaft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein verbindender Gedanke<\/p>\n<p>Der Sozialpsychiater Klaus D\u00f6rner hat betont, dass auch Pflege so gestaltet werden sollte, dass sie st\u00e4rker wie Assistenz funktioniert. Er verwies besonders auf die M\u00f6glichkeiten, die in ambulanten Kontexten gegeben sind. Unterst\u00fctzung muss sich an den W\u00fcnschen der unterst\u00fctzten Person orientieren. Es geht also nicht um zwei getrennte Welten, sondern darum, dass Unterst\u00fctzung insgesamt selbstbestimmter und weniger ableistisch gedacht werden muss.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mitarbeitende und Angeh\u00f6rige hei\u00dft das:<\/p>\n<ul>\n<li>Zuh\u00f6ren und ernst nehmen, was die Person will.<\/li>\n<li>Mitdenken statt steuern.<\/li>\n<li>Flexibel bleiben, auch wenn es nicht in Routinen passt.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzung hei\u00dft: \u201emit\u201c dem Assistenznehmenden agieren, statt \u201ef\u00fcr\u201c ihn oder sie \u201eim Auftrag von\u201c zu handeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\ud83d\udc49 Pers\u00f6nliche Assistenz ist damit nicht einfach \u201ePflege plus\u201c, sondern eine andere Haltung \u2013 und nur dann wirklich emanzipativ, wenn wir Ableismus im Alltag aktiv erkennen und gemeinsam \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Hinweise<\/p>\n<ul>\n<li>Prof. Dr. Dr. Klaus D\u00f6rner: <em>De-Institutionalisierung im Lichte von Selbstbestimmung und Selbst\u00fcberlassung \u2013 Absichten, Einsichten und Aussichten entlang der Sozialen Frage<\/em> \u2192 <a href=\"https:\/\/www.zedis-hamburg.de\/wp-content\/download-pdfs\/dorner_deinstitutionalisierung.pdf?utm_source=chatgpt.com\">PDF<\/a> [29.09.25]<\/li>\n<li>Beitr\u00e4ge zu Pers\u00f6nlicher Assistenz auf simorgh.de \u2192 <a href=\"https:\/\/simorgh.de\/disablismus\/category\/personliche-assistenz\/?utm_source=chatgpt.com\">Kategorie \u201ePers\u00f6nliche Assistenz\u201c<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Der im SGB IX formulierte Rahmen ergibt durchaus Sinn, und sollte nicht in Bruchst\u00fccken gedacht werden:<\/p>\n<p>Sozialgesetzbuch (SGB IX)<br \/>\nNeuntes Buch<br \/>\nRehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen<br \/>\n\u00a7 78 SGB IX Assistenzleistungen<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sozialgesetzbuch-sgb.de\/sgbix\/78.html\">https:\/\/www.sozialgesetzbuch-sgb.de\/sgbix\/78.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflege und Pers\u00f6nliche Assistenz \u2013 der Unterschied Ableismus gemeinsam erkennen und bek\u00e4mpfen Assistenz und Pflege sind nie neutral: Sie stehen mitten in gesellschaftlichen Macht- und Diskriminierungsverh\u00e4ltnissen. 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