Draft 31.01.2024

C. 勒 und Tschördy zur Anregung für Mitstreiter zur Etablierung mehr digitaler inklusiver Werkräume um Aktivismus Ausdruck zu verleihen und die eigenen Rechte im gleichen Zuge einzufordern

Wir schreiben nun unseren ersten gemeinsamen Beitrag über den Tierrechtsaktivismus von C. Dabei müssen wir überlegen – da C. eine SprechbeHinderung hat und UK-Userin ist, die aber für diesen Zweck lieber primär über direkte reziprok-gestaltete Kommunikation spricht – ob wir diesen gemeinsam erarbeiteten Text nun in erster oder dritter Person Singular formulieren sollte und formulieren wollen.

Wir versuchen die erste Person, aber den Lesenden muss bitte bewusst sein, dass sie beim Lesen diesen Text als eine Art der Übersetzung denken sollen.

Wir haben unsere Art der gemeinsamen Kommunikation an anderer Stelle nun schon teilweise erklärt. Eine Sammlung an Beiträgen dazu findet Ihr in dem letzten TAS Reader:

Tschördy, Azadeh und Saline, ISSN 2751-6857. Ein autoethnografisches Journal über unser (Subjekt-eines-Lebens-) Sein für Tierrechte. Jahrgang 3, Heft 2, Kommunikationsrechte, beHinderung und Ableismus. Vom Traum zur Realität (7), 2024 > https://d-nb.info/1316278948/34

Nicht jeder Aktivismus wählt den gleichen Weg

Ich beschreibe eine Situation, die ich als Tierrechtsaktivistin mit SchwerstbeHinderung erlebe. Mein Barrierethema, das in meinem Tierrechtsaktivismus zum Tragen kommt, ist besonders die Kommunikation.

Wir versuchen gemeinsam Wege der Übersetzung zu finden. Erstmal ist es dabei wichtig, dass mein Übersetzer ein Verständnis für meine Sprache entwickelt. Wenn wir in dem Punkt etwas weiter gekommen sind, dann klopfen wir Themen und Meinungen gemeinsam ab.

Mein Übersetzer fragt mich und wir begeben uns so auf eine gemeinsame Suche nach halbwegs treffenden Aussagen, die wir so gemeinsam erarbeiten über unseren Meinungs- und Inhaltsaustausch.

Dabei knüpfen wir immer wieder logischerweise an unsere Themen, über die wir bereits einen Austausch geführt haben an.

Folgendes Problem wollen wir gerne schildern. Unter anderen Tierrechtlern erlebe ich teilweise die Situation, dass sie weder erkennen, dass es in meiner Kunst um Tierrechte und tierphilosophische Fragen geht, noch verstehen sie meinen Ansatz, der meine eigene Herangehensweise darstellt.

Mir wird berichtet über den Aktivismus, als wäre meine Methode keine verständliche und wirksame Methode, als wäre ich außen vor.

Man erzählt mir was man so alles mache, was geschieht, und vermutet aber anscheinend, dass ich mit meinem Ausdruck und meiner ethisch veganen Lebensweise nicht selbst auch wichtige und sehr essentielle Botschaften vermittle und zum Ausdruck bringe.

Der Ablebodied Aktivismus soll meistens in einer bestimmten Art vonstatten gehen und so oder so geartet sein, als gäbe es nicht alle Ebenen, die beackert werden müssen. So eben auch die Künstlerische in ihrer Gänze, und die philosophisch-anarchistische, auf der frei geschaffen werden kann.

So dass ich selbstbestimmt diese tausende Wege und tausende Formen adressieren kann auf denen Speziesismus in Wirklichkeit stattfindet.

Die eigenen Methoden, die jemand für sich wählt, müssen anerkannt werden wenn sie eben auch nicht in den 0815-Räumen stattfinden.

Wie wir Tiere und Speziesismus sehen

Die Sichtweise darauf, wie die Probleme überhaupt gelagert sind, wie wir Speziesismus [1] verstehen in unserer Gesellschaft und im Bezug darauf wie wir Tiere also sehen, ist doch ziemlich unterschiedlich, und genau die Unterschiede in der Herangehensweise sind in den Tierrechten daher wichtig.

Wenn man ein Tierrechtler ist, der erlebt ausgegrenzt zu werden, weil man anders kommuniziert, und die Gesellschaft einen stärker marginalisiert als andere Menschen mit beHinderung, auch selbst als andere Menschen mit einer Sprechbehinderung, dann wird einem klar, wie gefährlich nivellierende, gleichmachende Vorstellungen über Dinge sein können und sind.

Interessant ist die Erfahrung wenn man abstrakt die Sichtweise und die Themen behandelt, die klar den eigenen Standpunkt auf die Welt abbilden, mit dem Blick auf spezifische, besondere Situation.

Ich drücke auf meine Art meine Gedanken gezielt aus. Nur die Akzente, die ich setze, bedürfen auch einem Verständnis, das meines nachvollziehen kann, dass dezidiert Tiere in alle Fasern mit einbezieht.

Tiere und ihr Denken und Handeln ist nie marginalisierbar oder marginalisiert für mich, sondern immer Teil meiner persönlichen Weltsicht, die ich über die allumspannenden Zusammenhänge denke.

Ich trenne hier nicht hierarchisch und für mich gibt es keine erhöhte Sicht und keine erhöhte Warte, mit der ich auf die Welt der Tiere runter blicken würde, sondern ich stehe dafür, ich bin selbst der – einer, der genau auf gleicher, gemeinsamer Augenhöhe meinem tierlichen Gegenüber begegnet in meiner menschlichen Bildsprache, mit der ich ihren Anliegen ein philosophisches Denkmal setze. Die Kunst entsteht einfach mit meiner Haltung und mit diesem Impetus.

Wir schreiben hier zusammen, wie man gemeinschaftlich einem Freund von einer Wanderung berichten würde, sagt der Übersetzer.

Wir schauen uns an und lachen, und wir schauen, wo wir beide gerade den Nagel auf den Kopf treffen, oder uns noch weiter in unsere Themen zusammen hineinvertiefen möchten, noch ins Detail gehen möchten.

[1] Siehe dazu auch:

Alternativen für den Begriff Speziesismus: https://simorgh.de/about/alternativen-fur-den-begriff-speziesismus/

Tierrechte: zentrale Begriffe und Begriffserweiterungen  > Vorgelesen auf  https://www.youtube.com/watch?v=CsxZdjEfI0s

E-Reader: Gruppe Messel 2021 / 2, ISSN 2700-6905, Jahrgang 3, Nr. 2, 2021, Edition Farangis. Tierrechte: zentrale Begriffe und Begriffserweiterungen  > https://d-nb.info/1230261095/34

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